Am vergangenen Sonntag stand ich an der Startline des Ironman Vichy. Nach dem Debakel in Klagenfurt wollte ich hier das Saisonhighlight feiern. Der Sturz am Wörthersee, welcher erst einmal eine Verletzungspause forderte, hatte ich gut auskuriert und konnte dann nochmals einen effektiven Trainingsblock absolvieren.

Nach einer entspannten Anreise am Donnerstag, besichtigten wir am Freitag die Radstrecke. Mir war bewusst, dass in Frankreich wohl in großen Teilen der typische raue Asphalt vorzufinden sein wird, allerdings waren die vielen Schlagloch übersäten Straßen ein Graus und wesentlich schlimmer als erwartet.
Da der Lac d’Allier ausschließlich für das 70.3 Rennen am Samstag und den Ironman am Sonntag zum Schwimmen genutzt werden konnte, musste ich meine letzte Schwimmeinheit im nahegelegenen Schwimmbad absolvieren. Ein kleiner Abstecher beim 70.3 Rennen im Anschluss gab nochmals etwas extra Motivation für den Folgetag. Beim letzten Anschwitzen auf dem Rad ging alles glatt und ich checkte mein Rad wohlbehalten in der Wechselzone ein. Nach dem Fauxpas von Klagenfurt ein erster kleiner Erfolg! 🙂

Der Renntag

Der Renntag versprach morgens zwar kühles Wetter, dass sich aber recht schnell zu einem sonnigen Tag entwickeln sollte.  Das Warm-Up musste ich auf etwas warmlaufen und ein paar Trockenübungen beschränken. Denn auch das Warmschwimmen war nicht gestattet. Für mich sehr ungewöhnlich und ich brauchte nach dem Start auch einige Meter bis ich in den Rhythmus kam. Der Startschuss für den Rolling-Start fiel in fast kompletter Dunkelheit und das fast 23 Grad warme Wasser dampfte bei 7 Grad Außentemperatur. Da ich gerade in schlechten Lichtbedingungen nicht die besten Augen habe, schwamm ich auch Zick-Zack um die Idealline herum. Beim Landgang sprang ich dann mit den Füßen voraus vom Steg ins Wasser, da nicht bekannt war wie tief das Wasser ist, wollte ich keinen Kopfsprung auf den Grund riskieren. Daher schwimme ich am Vortag immer nochmals gerne auf der Wettkampfstrecke auch um solche Dinge anzuschauen.
Ich war kaum mit den Schultern im Wasser, spürte ich die Füße eines Mitstreiters in meinem Nacken. Der Athlet hinter mir wählte wohl die gleiche Einsprungstelle und erwischte mich im Wasser. Nach etwas fluchen und orientieren konnte ich auf die zweite Runde starten. Ziemlich genau nach einer Stunde stieg ich dann aus dem Wasser. Ich musste ein zweites Mal auf die Uhr schauen um zu glauben, dass dort eine eins vorne stand. Die Leistungen der letzten Wettkämpfe haben auf eine deutlich schnellere Schwimmzeit hingedeutet. Allerdings war mir zu dem Zeitpunkt auch klar, dass man ein Rennen beim Schwimmen nicht gewinnt und der Tag noch lang ist.

Werbetafel des Ironman Vichy
Canyon Speedmax in der Wechselzone des Ironman Vichy

Erster Wechsel und die Radstrecke

Der Wechsel vom Schwimmen zum Radfahren lief nicht besonders zügig aber doch ganz in Ordnung. An der Mount-Line stieg ich aufs Rad und dachte mir: „Jetzt geht es rund“.
Ich stieg während der Fahrt in meine Schuhe und schloss den Boa-Verschluss. Auf der linken Seite merkte ich, dass sich der Metallzug des Verschlusses aus der Führung gelöst hat. Wie es dazu kommen konnte ist mir bis heute unklar. Mir blieb nichts anderes übrig als nochmals vom Rad abzusteigen und den Schuh zu richten. Glücklicherweise verlor ich nicht allzu viel Zeit.
Von Beginn an war es sehr kühl auf dem Rad. Der Wetterbericht brachte aber schon früh sommerliche Temperaturen und ich war guter Dinge, dass nach einigen Kilometern die Sonne für warme Bedingungen sorgen wird. Ich hatte mittels Best Bike Split berechnet, dass ich bei meiner geplanten Wattzahl eine Radzeit um 4:45h fahren würde. Ich konnte zwar von Beginn an meine Wattvorgabe halten, hatte aber von Beginn an muskuläre Schmerzen in beiden Oberschenkeln aufgrund der Kälte.

Zudem kam im Laufe der ersten Runde noch Nebel hinzu. Die Temperatur viel laut meinem Garmin Edge 820 auf 5 Grad. Meine Hände und Füße waren komplett taub und ich hatte Probleme in den technischen Passagen den Lenker zu greifen. Zu dem Zeitpunkt fuhr ich vielleicht auch etwas zu vorsichtig, da ich nicht nochmal auf der Nase landen wollte, wie am Wörthersee. Durch den starken Nebel war die Sicht durch das Visier an meinem Helm so schlecht, dass mir nichts anderes übrigblieb als es nach oben zu klappen. Ich war schwer am überlegen, ob ich nach 90km nicht das Handtuch werfe und unterkühlt aussteige. Auf dem Ende der ersten Runde kam dann aber doch die Sonne raus und es wurde langsam wärmer.
Beim Abzweig auf die zweite Runde erhielt ich von meiner Freundin die Information, dass ich auf Platz 9 in der AK liege. Da der Körper langsam auftaute und außerdem immer noch schmerzenden Beinen alles auf Attacke stand fuhr ich auf die zweite Runde. Bis Kilometer 140 lief auch alles nach Plan. Ab diesem Zeitpunkt übernahmen die schmerzenden Oberschenkel das Kommando und ich konnte mein Tempo nicht mehr ganz gehen. Auf dem letzten Abschnitt verlor ich dann auch noch meine Flasche aus dem Rahmendreieck mit meiner Wettkampfverpflegung. Die Finger hatten zwar wieder Gefühl, aber die Flasche glitt mir beim Greifen trotzdem aus den Fingern als wäre es Butter. Nach 4:55h erreichte ich dann doch deutlich hinter meiner geplanten Zeit die zweite Wechselzone.

Auf zum Marathon

Nach einem zügigen Wechsel und einem kurzen Stopp am Pissoir machte ich mich auf den abschließenden Marathon. Die Beine fühlten sich erstaunlicherweise auf den ersten Metern nicht so an wie auf dem Rad. Meine Freundin teilte mir dann bei Kilometer 1 mit, dass ich immer noch in den Top10 liege.  Ich dachte mit einem guten Marathon könnte ich nach vorne noch etwas reißen. Die ersten 5-6 Kilometer liefe es auch sehr gut. Im Park war ich dann etwas unaufmerksam und übersah eine nicht markierte Bodenwelle und legte mich unsanft auf den Boden. Das passte irgendwie zum ganzen Rennen. Ich berappelte mich und lief weiter. Bis auf ein paar kleine Kratzer an der Hand vom Abstützen auf dem Boden ist nichts passiert.
Nach dem guten Beginn machten sich die Oberschenkel im Laufe der zweiten Runde bemerkbar und der Angriff nach vorne wurde eher zum Spiel Kopf gegen Körper. Alles in mir war auf Attacke gepolt, aber die Beine wollten einfach nicht schneller laufen.

So lief ich den Marathon an einem gebrauchten Tag unter meinen Erwartungen mit einer Gesamtzeit von 9:31 als 15. meiner Altersklasse ins Ziel. Die gute Stimmung auf der Finish-Line half ein wenig über den enttäuschenden Tag hinweg.