Zum zweiten Mal nach dem Premierenrennen des Ironman Hamburg im Jahr 2017 stand ich an der Startlinie am Alsterufer. Am Vortag beim Bike Check-in und in der Wettkampfnacht hatte es geregnet, aber ausnahmsweise war es dann am frühen Morgen zur finalen Vorbereitung und zum Schwimmstart trocken.

Nach dem die Pro-Damen um 6:30 Uhr in die Alster sprangen ging es für die Agegrouper dann ab 6:45 Uhr in 2er Reihen via Rolling-Start ins Wasser. Ich ordnete mich in der ersten Gruppe mit geplanter Schwimmzeit < 1:05 h ein. Durch Corona wusste ich, dass meine Schwimmform nicht mit der aus den Vorjahren vergleichbar war, aber unter 65 Minuten sollte im Wettkampf schon drin sein.
Nach rund 40 Startern vor mir, ging es dann auch für mich in die Alster. Ich fand schnell einen guten Rhythmus und konnte bereits bis zur Brücke nach 500 Metern einige vor mir startende Athleten überholen. Die Sicht war bescheiden und die nächste Boje war im Nebel nur zu erahnen. Ansonsten war das Schwimmen unspektakulär und es ging auch für mich in die „längste Wechselzone“ in Richtung Rad.

Es blieb auch auf dem Rad nass. Auf den ersten Metern aus der Stadt raus setzte bereits ein leichter Nieselregen ein und die Spitzkehre nach dem Glockengießerwall vermittelte schon mal das Gefühl, dass man besser nicht auf der letzten Rille in die Kurven fahren sollte.
Frank Wechsel vom Triathlon Magazin meinte nach dem Rennen:  

Die ersten 15km sind so ziemlich das hässlichste was Hamburg zu bieten hat.

Und so war es auch. Viele 90 Grad Kurven mit Bahngleisen und teilweise Straßenbelag der dem Namen nicht mehr gerecht wird. Auf dem Deich konnte man dann aber endlich den Kopf runter nehmen und aufs Pedal drücken. Es wehte zwar ordentlich Wind und es regnete quer, aber es war gut zu fahren.
Der Rundkurs musste drei Mal bewältigt werden und gefühlt wurde es in den Kurven immer rutschiger, dank dem anhaltenden Regen.
Trotzdem konnte ich über die 180 Kilometer genau meinen Rennplan einhalten. Dass der Wind im Laufe des Rennens immer stärker wurde, kann man gut an meinen Leistungsdaten sehen. Trotz etwas mehr Watt auf der zweiten Hälfte bin ich trotzdem ein paar Minuten langsamer geworden. Auf jeden Fall war das Rad nach den 180 Kilometern schwerer als zu beginn. Am Deich wurde das Rad sozusagen Sand gestrahlt. Nach rund 4:45 h stellte ich das Rad beim zweiten Wechsel am Ballindamm ab. Nach einem kurzem Dixistop und dem Wechsel in die Laufschuhe ging es dann raus auf den Marathon.

Die Beine fühlten sich schon auf dem Weg durch die Wechselzone trotz Vorbelastung gut an.
Auf dem ersten Kilometer lief es so gut, dass ich schon den Anker werfen musste, um nicht direkt alle Körner zu verschießen. Auf den weiteren Kilometern ging es dann erst mal darum, meinen Rhythmus zu finden und das mit meinem Trainer geplante Zieltempo zu halten. Auf dem 10,5 Kilometer langen Rundkurs musste man sich auf der ersten Hälfte gegen den Wind kämpfen und wurde dann zurück Richtung Rathausmarkt vom Wind getragen. Es regnete mal mehr und mal weniger, aber es wurde mir überraschenderweise nie richtig kalt. Bis Kilometer 19 konnte ich einigermaßen konstant mein Tempo laufen. Da durch Baustellen die Laufstrecke noch mehr enge Kurven und Spitzkehren hatte als in den Vorjahren, gab es hier immer ein paar Schwankungen in der Pace.
Auf den letzten beiden Kilometern vor dem Halbmarathon machte sich eine volle Blase bemerkbar und es lief nicht mehr ganz so locker. Durch das Hamburger „Schmuddelwedda“ schwitzte ich weniger und die Flüssig-Nahrung muss auch irgendwie wieder raus.
So entschied ich mich am Jungfernstieg zu einem kurzen Boxenstopp und stürmte nach 30 Sekunden wieder auf die Strecke zurück.
Erleichtert lief es spürbar besser und die dritte Runde ging zügig vorüber.
Am Rathausmarkt angekommen ging es dann noch ein letztes Mal auf die Runde. Am Jungfernstieg griff ich mir kurz meine Special-Needs-Verpflegung, um auch auf den letzten Kilometern noch Treibstoff zu haben. Ab Kilometer 35 meldeten sich langsam, aber sicher meine Muskeln in den Beinen.
Da es mir aber ansonsten noch so gut ging wie in keinem Ironman zuvor, hieß es auf die Zähne beißen und das Rennen bis zur Finish Line durchziehen.
Mit einem Marathon von 3 h 13 min und einer Zielzeit von 9 h 10 min konnte ich meine bisherige Langdistanz Bestzeit um gut 20 Minuten unterbieten und war froh, nach vielen Versuchen endlich mal einen guten Marathon ins Ziel zu bringen.

Run Ironman Hamburg 2021 Bild: Frieder Schneble
Run Ironman Hamburg 2021 Bild: Frieder Schneble
Run Ironman Hamburg 2021 Bild: Frieder Schneble

Die Hawaii-Qualifikation schrieb ich bereits im Rennen ab. Die ersten beiden Athleten in der Gesamtwertung mit Zeiten von knapp über 8 Stunden waren in meiner Altersklasse. Gegen ehemalige Olympioniken und Semi-Profis ist man als normaler Agegrouper leider chancenlos. Mit dem sehr guten Ergebnis aus Hamburg habe ich auf jeden Fall neue Motivation, die Leistung noch mal etwas zu steigern.
Ich hoffe, im laufenden Jahr gibt es noch ein paar Chancen, die gute Form unter Beweis zu stellen.