Am vergangenen Sonntag war es nun soweit. Der letzte Ironman Switzerland sollte mein Saisonhighlight sein. Nach dem vor Monaten bekannt gegeben wurde, dass der Ironman in Zürich nicht mehr erwünscht ist und nach 23 Jahren nach Thun abwandert, wollte ich nochmals nach 3 Starts in Zürich dabei sein.

Der Renntag begann bereits um 3:30 mit dem Frühstück, gut 3 Stunden vor dem Start am Zürichsee. Nach einer entspannten Fahrt ans Renngelände war die Stimmung auf Grund des anhaltenden Regens in der Wechselzone eher verhalten. Trotz Regenjacke war ich nach den letzten Handgriffen in der Wechselzone schon ordentlich durchnässt.

Nach einem kurzen Einschwimmen und ein paar Mobilisierungsübungen ging es in den Startblock. Mit der sechsten oder siebten Startreihe ging es dann für mich los ins Wasser. Bis es bei Kilometer drei wieder Richtung Schwimmausstieg ging konnte ich so schwimmen, wie ich es mir vorgestellt hatte. Auf den letzten 800 Metern brachten mich die Wellen des nahegelegenen Schiffanlegers etwas aus dem Rhythmus, was aber nicht allzu viel Zeit gekostet hat. Nach gut 57 Minuten und Rang 15 in meiner AK ging es aus dem Wasser in die Wechselzone.

Wechsel aufs Rad

Den Neoprenanzug konnte ich schnell abstreifen und auch der restliche Wechsel lief deutlich besser als noch vor drei Wochen am Walchsee. Auf dem Rad brauchte ich die ersten 10-15 Kilometer um meine Race-Pace zu finden. Kaum passierte ich die Stadtgrenze von Zürich, wurde der zu dem Zeitpunkt eher schwache Regen wieder deutlich stärker und die bevorstehenden Kurven waren mit Vorsicht zu genießen.
Nach dem ich auf den ersten Kilometern noch meine Rad-Beine suchte, lief es dann so wie ich es vor dem Rennen mit meinem Trainer besprochen hatte. Ich konnte viele Athleten überholen und machte nach vorne einige Plätze gut. Nach gut 70 Kilometern im Zürcher Umland ging es wieder zurück zur City und in Richtung Heartbreak-Hill.
Auf der langen Geraden in die Stadt fuhr ich beim Überholen über eine Unebenheit (Schlagloch oder ähnliches) als ich gerade das linke Bein in der Streckung hatte und merkte sofort, dass es mir in dem Moment in den Rücken gefahren ist. Zuerst hatte ich ein wenig das Gefühl, dass es sich wie der Musikanten-Knochen am Ellenbogen anfühlt und das Ganze schnell wieder verschwindet. Allerdings musste ich bis zum Anstieg am Heartbreak-Hill mehrfach aus der Aeroposition gehen, um die Spannung aus dem Rücken zu nehmen.
Die Stimmung am Heartbreak-Hill lenkte etwas von den Problemen ab. Nach der Abfahrt und dem kurzen Stück bis zur Wechselzone konnte ich nach gut 2 Stunden und 25 Minuten auf die zweite Rad-Runde starten. In der Zwischenzeit fuhr ich bereits auf den achten Platz in der AK vor. Mit zunehmend trockenen Straßen konnte ich in den Kurven und Abfahrten mehr Risiko gehen und theoretisch wäre bei gleicher Leistung die zweite Runde ein gutes Stück schneller gewesen. Allerdings weiteten sich die Probleme im Rücken weiter aus und ich hatte bereits taube Zehen im linken Fuß und konnte nicht mehr genug Druck aufs Pedal bringen. Dadurch verlor ich wieder etwas an Boden und fuhr nach etwas über 5 Stunden als 17. in der AK in die Wechselzone.

Der Marathon

Schon nach dem Abstellen des Rades und den ersten Metern Richtung Wechselbeutel entschied ich mich dazu, im Wechselzelt zuerst eine kurze Dehnpause einzulegen und zu versuchen die Blockade im Rücken zu lösen. Nach ein paar Übungen und einem kurzen Pinkel-Stopp lief ich die ersten 2,5 bis 3 Kilometer in der vor dem Rennen geplanten Pace. Eigentlich fühlte es sich sehr gut an, wenn nur der Schmerz im Rücken nicht wäre. Das Dehnen hatte leider nur wenig geholfen und ein richtiger Knie-Hub, den es für einen schnellen Lauf benötigt, fiel auf Grund der Schmerzen schwer.
Beim Passieren der ersten Verpflegungsstelle war ich schon kurz davor zu gehen und mir wurde klar, dass ich unter diesen Voraussetzungen nicht weit kommen würde, wenn ich mit der Pace so weiterlaufe.
Ich reduzierte das Tempo soweit, dass ich halbwegs schmerzfrei laufen konnte und pendelte mich irgendwo bei einem Tempo knapp über 5 Minuten ein. Blöderweise passte ich meine Ernährung nicht an das eher mäßige Tempo an, dass ich nach 15 Kilometern auch noch Probleme mit dem Magen bekam. Nach weiteren Kilometern und ordentlich Wasser konnte ich wenigstens dieses Problem wieder lösen. Die Blockade im Rücken wurde allerdings mit jedem Kilometer schlimmer und meine Motivation das Rennen zu beenden wurde auf der dritten und vierten Runde immer geringer.
Bei Kilometer 26 fand ich dann einen Leidensgenossen, der mich ansprach und auch nur noch das Ziel hatte das Rennen zu beenden. Wir lenkten uns etwas vom gegenseitigen Leid ab und brachten die restlichen Kilometer ins Ziel. Der gemeinsame Zieleinlauf war ein kleiner Trost für ein Rennen, dass auf der ersten Hälfe so verheißungsvoll begann und so enttäuschend endete. Auch das „You Are An Ironman“ von Paul Kaye half nicht drüber weg.
Mit ein paar Tagen Abstand zum Rennen bleibt die Enttäuschung und eine ISG-Blockade zurück. Ob und falls ja wo ich 2019 nochmal ins Renngeschehen eingreifen werde steht noch nicht fest.